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Reiseberichte
Lecker essen in Leeds
Shopping-Erlebnis in erlesener Architektur im Victoria Quarter. Fotos: Janine Bergendahl
Farmers Market in Leeds: Diese Lady hat köstliche Kuchen im Angebot. Ihr Gingercake ist eine Wucht.
Ein Wochenende in England? Im Sommer? Wegen des Essens? Spätestens an dieser Stelle werden Sie normalerweise von Ihren Gesprächspartnern für die Einweisung in die Geschlossene vorgesehen. Ein Beweis dafür, dass Ihr Gegenüber keine Ahnung hat.
Die englische Stadt Leeds war einmal neben Sheffield eines der Zentren der Textil-Industrie. Das ist lange her. Geblieben sind zahlreiche industriell geprägte Gebäude. Entlang des alten Kanals, der von Leeds nach Sheffield führt, sieht’s ein bisschen so aus, als hätten sich sämtliche Architekten des Königreiches hier einmal versuchen dürfen. Alt trifft neu. Backstein, Glas, schicke Lokale.Von Zeit zu Zeit tuckert ein Bötchen übers Wasser. Idyll in einer ansonsten pulsierenden, frischen, jungen und fröhlichen Stadt. Das, was Leeds an Grün fehlt, hat man mit Blumenkörben an jeder Ecke wett gemacht. Petunien in allen Farben treiben es bunt.
Anziehungspunkt für junge Leute: Die Innenstadt. Ein Geschäft neben dem anderen. Shopping-Süchtige sind hier auf dem Trip. Schuh-Junkies erleben neue Höhenflüge. Im doppelten Sinne. Denn selten haben wir auf dem Kontinent höhere Absätze gesehen als eben in Leeds. Und immer wieder zauberhafte Einkaufspassagen, im aufwändigen Jugendstil-Dekor. Die Gebäude selbst sind beinah noch interessanter als die - zum Teil - exklusiven Geschäfte.
Mitten im schmucken Durchgang des Victoria’s Quarter türmen sich an diesem Samstag Versuchungen ganz anderer Art: Cupcakes. Kleine, bunte, süße, köstliche Törtchen, die nur noch durch die Zugabe einer guten Tasse Tee verfeinert werden können. Schon der Anblick lässt die Hüften wachsen. „Leeds loves Food“ - Leeds liebt Essen - heißt das Festival, das in diesem Jahr zum zweiten Mal statt findet. Aus gutem Grund. Die Restaurant-Dichte ist in Leeds unglaublich hoch. Die Küche international. Vom traditionellen Yorkshire-Pudding als Beilage zum sonntäglichen Schmorbraten bis zur hausgemachten Pasta mit feinster Kürbis-Füllung bleiben hier keine Wünsche offen. Bei „Leeds loves Food“ bekommt man als Gast in der Stadt dann gleich die geballte Ladung.
Wer britische Kernkompetenzen in Sachen Essen (Die gibt’s wirklich!) vorzieht, muss unbedingt den sonntäglichen Farmers Market, den Bauernmarkt, besuchen. Schon um 9 Uhr morgens dringt der verführerische Duft bester Yorkshire-Würstchen in die Nase. Reizende ältere Damen bieten Kuchen und Kekse an, von denen man nach dem ersten Bissen nicht mehr genug bekommen kann. Der Ingwerkuchen einer älteren Dame lässt uns nicht mehr los. Am Ende werden wir hier unsere letzten Pfund auf den Kopf hauen. Denn so etwas Leckeres haben wir in Deutschland noch nicht gegessen. Aber eigentlich könnte man sich auf diesem Markt dranhalten: Honig aus den Yorkshire Dales, hausgemachte Relishes und Chutneys, fein marmoriertes Rindfleisch - der Wahnsinn.
Um es klar zu sagen: Leeds ist nichts für Diät-Freaks! Aber auch mit Schlemmen und Shoppen alleine wird man der Stadt nicht gerecht. Da sind zum Beispiel am Clarence Dock die Royal Armouries. Ein Waffen-Museum, das es in sich hat. Mit einer eigenen Falknerei, Pferden und Ritterspielen gibt es hier viele spannende Angebote für Kinder. Bei freiem Eintritt!
Apropos Kinder. Sehr empfehlenswert mit aber auch ohne Kinder: Der Besuch in Harewood. Etwa 20 Minuten von Leeds entfernt befindet sich die Heimat des Earls von Harewood. Ein grandioses Anwesen mit klassizistischem Herrenhaus, Vogelpark, einem prächtigen Landschaftsgarten, wechselnden Veranstaltungen, Indoor-Spielplatz und - natürlich - einem hervorragenden Restaurant.
Das Courtyard Café überzeugt nicht nur durch drollige Pinguine im Garten, sondern auch durch eine internationale Küche, die erst durch lokale Produkte ihren richtigen Pfiff bekommt. Und lassen Sie sich eines gesagt sein: Niemals, aber wirklich niemals sollten Sie hier darauf verzichten, einen der wunderbaren Brownies und Yorkshire Tards zu probieren. Und wenn Sie nach Hause kommen und in Deutschland wieder irgendein Banause über die englische Küche lästert - lächeln Sie königlich und empfehlen Sie ihm Leeds! Yvonne Hofer
Info: Anreise: Von Düsseldorf nach Leeds/ Bradford sechsmal wöchentlich mit Jet2.com
Übernachtungsmöglichkeiten: Rund um den Bahnhof in zentraler Lage gibt es zahlreiche Hotels. Zum Beispiel das Hilton Leeds City Hotel
Farmers Market Leeds Kirkgate: An jedem 1. und 3. Sonntag im Monat von 9 bis 14 Uhr
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