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Start in Modellversuch Wirtschaft
Engagierte Schüler: Auch an der Albert-Schweitzer-Realschule in Krefeld wird vom kommenden Schuljahr an das neue Fach Wirtschaft unterrichtet. Foto: Müller

Während die Schüler ihre Ferien genießen, bereiten  manche Rektoren und Lehrer schon das nächste Schuljahr vor. Gleich vier  Realschulen in Krefeld und Kempen nehmen dann am Modellversuch Wirtschaft teil.  

VON ERNST MÜLLER



Krefeld / Kreis Viersen.   Noch kurz vor Ferienbeginn traf sich Klaus May mit Kollegen aus ganz NRW. Der Rektor der Ter-Meer-Realschule in Uerdingen tauschte sich über das neue Schulfach Wirtschaft aus. May: „Wir wollen ein Netzwerk aufbauen.“ Denn bisher wissen die Schulkollegien noch nicht konkret, wie das Schulfach inhaltlich ausgestaltet ist. Präzise Richtlinien gibt es noch nicht. Sie sollen erst nach den Erfahrungen des Modellversuchs  festgelegt werden.

Welt der Wirtschaft

Fest steht nur, dass die Realschüler künftig drei Jahre lang in die Welt der Wirtschaft eingeführt werden sollen. Ganz neu ist der Gedanke nicht. Denn schon jetzt besteht ein Fach mit Wirtschaftselementen: Es heißt Sozialwissenschaften und  gliedert sich in die Teilbereiche Politik, Soziologie und eben Wirtschaft. Unterrichtet wird es an allen Schulformen. Nur bildet die Wirtschaft eben nur ein Drittel des Gesamtfaches. Und dies ist dem Schulministerium zu wenig; zumal nicht jeder Schüler das Fach belegt.
Denn Fragen der Wirtschaft nehmen an Bedeutung zu. Die letzte Finanzkrise hat viele Menschen den Kopf schütteln lassen.   Das Streben neuer Mächte wie China auf die  Weltmärkte beeinflusst auch unsere unmittelbare Heimat. Aber mal ehrlich: nicht nur die großen Verschiebungen der Weltwirtschaft sind für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Wer weiß, wie Geld entsteht ? Wie hängen Inflation und Arbeitslosigkeit zusammen ? Wie eigentlich entstehen Preise ? Warum ist eine Ware in dem einen Geschäft billiger als in einem anderen ?  Auf all die Fragen gibt es vernünftige Antworten.   
Für Schüler ergeben sich noch viele weitere Fragen: wie gehe ich mit meinem Taschengeld um? Wie vermeide ich Schulden? Schon heute laden manche Krefelder Schulen Schuldnerberater ein, weil die Kids ihre Handyrechnungen wieder mal hoffnungslos überzogen haben.
Alltagstaugliches Wissen

Anlass genug, Jugendlichen zumindest die Grundlagen des Wirtschaftslebens zu vermitteln. „Es geht um nutzbares, alltagstaugliches Wissen“, erklärte der bisherige Staatssekretär Wienands bei der Vorstellung des Modells in Düsseldorf. Das sehen die Lehrer auch so. Als das Schulministerium den Modellversuch Wirtschaft startete, wurde es mit Meldungen interessierter Realschulen geradezu überrollt: „Es sind deutlich mehr Bewerbungen eingegangen als zunächst angenommen wurde“, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums.  Aus Krefeld haben sich drei Realschulen gemeldet: Albert-Schweitzer-Realschule, Städtische Realschule und Ter-Meer-Realschule. In Kempen macht die Erich-Kästner-Realschule mit.
Eine gewisse Unsicherheit allerdings gibt es von politischer Seite. Der Modellversuch wurde noch von der bisherigen Schulministerin Sommer initiiert. Inzwischen hat die Landesregierung gewechselt. Doch dürfte sich an dem grundsätzlichen Anliegen, Wirtschaft zu vermitteln,  wohl nichts ändern. 

Entwicklung des Lehrplans       

Weil noch kein Lehrplan existiert, müssen die Schulen nun ein wenig experimentieren.  „Wir werden den Lehrplan selber entwickeln“, erklärt Hartmut Stellisch, stellvertretender Leiter der Albert-Schweitzer-Realschule. Federführend wird der Kollege sein, der das Fach Sozialwissenschaften unter-


richtet und deshalb in Sachen Wirtschaft besonders kundig ist. In Klasse 7 beginnt der Wirtschaftsunterricht und zieht sich dann drei Jahre hindurch bis  Klasse 9.  Stellisch und seine Kollegen müssen genau abwägen, wie sich das neue Fach in die bisherige Fächerstruktur einpasst. Denn auch dies


gehört zum Modellversuch:
die Auswirkungen des neuen Fachs auf die Präsenz benachbarter Fächer wie Politik oder Erdkunde zu testen. Dabei wird jede Schule einen eigenen Weg einschlagen. Nach drei Jahren sollen dann die Ergebnisse ausgewertet und im Ministerium abgeglichen werden.



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